E-M1 Mark II - streng subjektive Erfahrungen

    • E-M1 Mark II - streng subjektive Erfahrungen

      Als Fortsetzung meiner subjektiven Erfahrungen mit der E-M1 werde ich hier ein wenig über den Nachfolger berichten. Falls jemand Fragen hat, werde ich versuchen diese zu beantworten.

      Ich hab die Kamera am Donnerstag mit Batteriegriff, Zweitakku und Speicherkarte (SanDisk UHS-II, also Speichergeschwindigkeit von 260 Mps) abgeholt.
      Am Freitag und Samstag die Bedienungsanleitung gelesen und die Kamera nach meinem Geschmack konfiguriert.

      Erste für mich wichtige Unterschiede:
      Auch mit den alten FT-Objektiven hat man nun einen riesigen AF-Bereich.
      Die Spotmessung lässt sich mit dem AF-Punkt koppeln.
      Das Programmwählrad hat die Stellungen, C1, C2, C3 - die kann man sehr leicht mit eigenen Einstellungen programmieren (was AF-Art, Belichtungsart, Belichtungsprogramm, ISO, etc. etc. betrifft).

      Überhaupt gilt: Was man bei der E-M1 Mark II nicht verschweigen sollte: sie kann (und muss, so man das Optimum herausholen will) bis ins letzte Detail an den Fotografen angepasst werden. Das betrifft nicht nur die Belegung der Tasten, sondern auch die Art, wie der AF, die Belichtung, etc. arbeiten. 3 Speicherplätze hat man dafür auf dem Programmwählrad frei für z.B. Vögel im Flug, Makro und Clubaufnahmen. Das alles dauert, aber man macht es nur einmal, und danach hat man ein optimales Werkzeug in der Hand, mit dem man sich voll auf das Motiv konzentrieren kann. Normal fotografieren geht aber natürlich auch - sehr gut - dafür tut es aber auch was billigeres.
    • Die E-M1.2 hat ein Extra, das es ähnlich hin und wieder in manchen Kompaktkameras gibt, aber nur ähnlich und nicht auf diesem Niveau: Der Modus nennt sich PRO-Aufnahme.

      Wenn man den Auslöser halb drückt, dann stellt die Kamera wie gewohnt scharf, speichert aber bis zu 14 Bilder (einstellbar) im Buffer, der laufend wieder neu von vorne befüllt wird. Die Kamera macht also Aufnahmen, bevor man ganz auslöst, die Bilder werden aber erst dann auf der Karte gespeichert, wenn man ganz auslöst (und ab da werden dann weiter Bilder gemacht, bis man den Finger wieder hoch nimmt oder bis die Karte voll ist).

      Was das soll, zeige ich am besten an einem Beispiel: die Sequenz des tauchenden Haubentauchers besteht aus 8 Bildern und dauerte insgesamt ca. eine halbe Sekunde, aufgenommen mit 18 Bildern pro Sekunde. Ich weiß ja nicht, wann der Haubi taucht. Bei einer herkömmlichen Kamera kann ich zwar auf Verdacht drauf halten, aber irgendwann ist der Buffer voll und die Kamera macht keine 18 fps mehr sondern nur noch sagen wir mal 3 fps. Außerdem muss man dann zu Hause Hunderte von Bildern aussortieren, die man gemacht hat, bevor der Haubi endlich taucht. Hier habe ich den Haubi mit den Pro-Modus verfolgt, (bis 18 fps funktioniert beim Pro-Modus der C-AF) als er zum Tauschsprung ansetzte durchgedrückt, und gleich wieder losgelassen. Ergebnis: Die Kamera hat 14 Bilder vor dem Auslösen gespeichert und ein paar nach dem Auslösen. Alle mit 18 fps!

      1 Alle 8 Bilder die ich hier zeige, sind aufgenommen, bevor ich ganz durchgedrückt habe



      2 Vorher habe ich ca. 20 Sekunden darauf gewartet, das der Haubi taucht



      3 Das wären also bei 18 fps theoretisch schon mal um die 360 Bilder für den Müll gewesen!



      4 360 Bilder in RAW bei 18 fps kann aber sowieso keine Kamera, der Bufferspeicher wäre extrem groß und teuer



      5 D.h. die Bildrate wäre zum Zeitpunkt des Tauchsprungs auf 2-3 Bilder pro Sekunde eingebrochen




      6 Also viel zu langsam um das zu zeigen was man hier sieht




      7 Bei 18 fps geht der C-AF, man kann aber auch bis zu 60 Bilder pro Sekunde einstellen!




      8 Dann allerdings wird der S-AF nach dem ersten Bild beim halb Auslösen abgeschaltet




      Während der ganzen Zeit vor und nach dem Auslösen sieht man übrigens im elektronischen Sucher immer den Haubi ohne jede Unterbrechung. Es gibt ja keinen Spiegel und auch keinen Verschluss, der für Dunkelphasen sorgen würde, denn der PRO-Aufnahme-Modus nutzt den elektronischen Verschluss.

      Das ist auch sehr beruhigend, denn ein mechanischer Verschluss (Und vielleicht gar noch ein Spiegel) der über 20 Sekunden im schnellsten Modus (lumpige 15 fps bei den teuersten Profi-Canons oder -Nikons) durchrattern würde, machte einen Lärm wie eine Maschinenpistole (ja, bissi übertrieben, aber es ist echt laut) und liefe auch irgendwann heiß. So ist das ganze völlig lautlos.
    • Filmen kann die E-M1.2 mit bis zu 4K. Diese 18 bis 60 fps sind bei voller Auflösung, also 20 MP möglich und es sind Einzelbilder in RAW und/oder JPEG auf der Karte.
      Bei Video hast Du ja komprimierte Daten, es wird nur gespeichert, was sich von Bild zu Bild ändert, usw. - alles in einem MOV oder sonstigen Videofile.

      Rauschfrei ist es, es war, wie man sieht schon nach Sonnenuntergang, nicht, bzw. nicht bei voller Auflösung.
      Die E-M1.2 rauscht in etwa so wie die alte E-M1 (die hat aber nur 16 MP), genauer sage ich das erst später.
    • Wos ned alles gibd :nora:
      Bald machn die Käsdli die Fodos vo alaah, mismerse bloß nu rumdrohng. Do wirds fodografiern zum Kinnerschbill. :huh:
      Mir grausds vor dera Zukunfd. :silke:
      :prost:
      “You don’t make a photograph just with a camera.
      You bring to the act of photography all the pictures you have seen, the books you have read, the music you have heard, the people you have loved.”
      — Ansel Adams—
      meine Fotos sind NICHT zu Bearbeitung freigegeben
      Landscape&Nature PHOTOGRAPHY/DE
    • Des wor fei edzerdla ned negadiv gmahnd. :opi:
      Hob mi blos gwunnerd wos die Dechnig middlerwahl alles kann. :kaffee:

      Ausserdem kann mer ja God sei Dank immer nu selber entscheidn wos mer davo nudzd.
      Ich kenn Leid die ham die besdn und deiersdn Digidolkameras fotografiern ober manuell (Blendn und Zeid und manuelle Fokus, nix Audo) :rolleyes:

      :prost:
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    • dafler1985 schrieb:

      Die Cams haben nen Automodus?? :blink: :blink:

      :rofl:
      Mir reicht die Blende/ Zeitprio und die Cam macht den Rest.
      Zudem habe ich meine +/- Korrktur da muss ich nicht komplett alles manuell einstellen. :ohweh:
      Warum kauft man sich wohl AutofokusObis, wenn man nur manuell Scharf stellt :gruebel: gut ab und zu aber nur ?( da reichen dann auch alte Voll manuelle. :P :po: Sofern man die an die neuen Cams von [Zensiert] überhaupt noch dranbekommt. :lach:
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    • Oft kommt es auf die Situatuon darauf an was ich fotografiere und was ich brauche.. ich glaube das geht jedem so...
      Das einzige Obi was ich habe wo man den af schalten kann is mein 18-135er.. und sonst is eh der schalter am Body da.. achja und manuell fokussieren.. ich liebe das fokuspeaking wenn ich gezielt fokussieren will und der af nicht so ganz genau trifft...

      @OhWeh ich glaube die E-M1 Mk II würde mir auch gefallen. Auch wenn ich Sonyaner bin :)
    • Nachdem jetzt geklärt ist, das man(che) so was wie PRO-Aufnahme nie nicht wollen ;) , zeige ich mal zwei Bilder in voller Auflösung (bzw. leicht beschnitten, aber nicht verkleinert) so dass Ihr in 100%-Ansicht sehen könnt, wie es bei höheren ISO-Einstellungen aussieht. Die Bilder stehen im Mitgliederbereich, damit sie vor Google und Co. geschützt sind, sind also für Gäste nicht erreichbar.

      2000 ISO:
      Blende 5,6 (Offenblende), 1/750 s, 420 mm (4/300 + MC-14), RAW, im Adobe RAW Konverter entrauscht und entwickelt, in Photoshop nachgeschärft und als JPEG abgespeichert.

      3200 ISO:
      Blende 5,6 (Offenblende), 1/1000 s, 420 mm (4/300 + MC-14), RAW, im Adobe RAW Konverter entrauscht und entwickelt, in Photoshop nachgeschärft und als JPEG abgespeichert.

      Ich habe das Gefühl, dass die E-M-1.2 bei 100% ein bisschen weniger rauscht als die E-M1.1 (halbe Blende bis eine Blende je nach ISO), obwohl der Sensor nun 20 MP statt 16 MP wie bei der E-M1.1 hat. Sprich auf 16 MP oder weniger herunter gerechnet rauscht die E-M1.2 auf jeden Fall eine Blende weniger. Dafür spricht auch, dass die standardmäßige ISO-Auto-Einstellung nun bis 3200 geht, nicht mehr bis ISO 1600 wie bei der E-M1.1. Genau kann ich es nicht sagen, weil Adobe bisher nur eine vorläufige Unterstützung für die RAWs der E-M1.2 bietet.
    • Nachdem ich noch ein paar Bilder mehr entwickelt habe, würde ich sagen, dass die E-M1.2 bei 100%-Ansicht ca. 1 Blende weniger rauscht, als die E-M1.1. Ob man das messtechnisch nachvollziehen kann, da bin ich mir nicht sicher. Ich sage mal, es ist eine Mischung aus wirklich weniger Rauschen und einem angenehmeren Rauschen. Das sieht man bei Laboraufnahmen mit Farbtafeln nicht so, aber die Bilder der Exotischen Enten (siehe Unterforum Tiere) ist ISO-mäßig wild gemischt von ISO 400 bis ISO 3200. Klar muß ich bei ISO 3200 im RAW-Konverter mehr entrauschen, aber die Bilder sind sehr gut brauchbar, finde ich. Dabei geht es nicht nur um das Rauschen, sondern auch um die Detailschärfe und um die Farben und die Dynamik - auch bei hohen ISOs sehr gut, finde ich.

      Ein Fortschritt betrifft die Dynamik des Sensors. Wie man bei DXOmark sehen kann (bei aller Vorsicht vor deren Messungen) ist die Dynamik gegnüber dem Vorgänger nur unwesentlich verbessert. Was sich aber wirklich stark verbessert hat ist die Dynamik in den Lichtern. Was auf den ersten Blick ausgefressen ausschaut kann ich im Adobe-RAW-Converter mit dem Lichter-Regler fast immer retten. Ich sage mal frech mindestens(!) 1 Blendenstufe mehr Dynamik in den Lichtern. In den Schatten hat sich da weniger getan, wenn die man zu sehr aufhellt, dann rauscht es halt irgendwann. So wie bisher mit der E-M1.1 auch.

      Zusammen mit den 20 anstatt 16 MP bedeutet das eine spürbare Verbesserung der Bildqualität.
    • Nachdem ich nun auch die ersten Aufnahmen im Jazz-Club entwickelt habe, kann ich was zum Verhalten unter richtig miesem Licht sagen.

      Der AF der E-M1.1 hatte bei den farbigen LED-Scheinwerfern dann Probleme, wenn das Licht zusätzlich sehr dunkel war (ISO 6400, Blende 2,0, und dann Belichtungszeiten länger als ca. 1/125s) besonders, weil dann extrem farbiges Licht mit hohen Rotanteilen die einzige Beleuchtung ist. Hier war der Af der E-M1.1 spürbar langsam, fand öfter auch mal keine Schärfe, denn Musiker bewegen sich ja. Resultat waren oft viele unscharfe Bilder.

      Die E-M1.2 ist da viel viel besser geworden! Sehr schneller AF auch hier (S-AF). Noch hatte ich kein Licht, wo der AF versagte. Wenn Bilder unscharf sind, dann ist es Bewegungsunschärfe oder ein Bedienfehler.

      Der elektronische Verschluss, der bei der E-M.1.1 nur bis ISO 3200 funktionierte und manchmal mit Streifen im Bild auf pulsierendes (gedimmtes) LED-Licht reagierte, ist nun ohne jede Einschränkung verwendbar. Das bedeutet lautloses(!) Fotografieren auch beim leisesten Solo.

      Und für mich der Riesenvorteil, dass auch mit den lichtstarken FT-Objektiven nun der gleiche sehr große Bereich von den AF-Punkten abgedeckt wird, wie mit mFT-Objektiven.

      Erste Bilder gibt es hier Claus Raible Trio

      Edit sagt: Bilder vom Drummer hätte es mit der E-M1.1 nicht gegeben: Tom Harrell TRIP
    • Zum C-AF:

      C-AF war bisher ja immer eine gewisse Schwachstelle bei spiegellosen Kameras. Das liegt daran, dass die meisten Spiegellosen Kontrastautofokus nutzen, nicht Phasenautofokus wie DSLRs. Die E-M1.1 nutzte eine Mischung, das tut die E-M1.2 auch: Nun 121 Kreuzsensoren, die über fast die gesamte Sensorfläche reichen. Dazu kommt eine CPU (Prozessor) die viel leistungsstärker ist, als bei der alten E-M1.

      Das Ergebnis für mich: ich habe früher (auch zu DSLR-Zeiten) nie Vögel im Flug gefotet. Das war mir einfach zu kompliziert. Jetzt mache ich es zunehmend (Ich muss mich erst mal dran gewöhnen, also daran denken, solche Motive überhaupt zu foten)

      Ich habe eines der "persönlich einstellbaren" Programme für Vögel vorprogrammiert: Blendenautomatik, 1/1000s, ISO-Automatik, C-AF mit Verfolgung des erfassten Motivs, Serienbildschaltung mit elektronischem Verschluss, 9-AF-Felder aktiv (3 x 3 Felder), eine halbe Blende überbelichten bei Mehrfeldmessung.

      Wenn ich Vögel im Flug knipsen will, drehe ich das Programmwahlrad auf C2 und fertig.

      Ergebnis z.B. hier: Frühlingsgefühle bei Rotmilanen
    • Ein Nachtrag zu den Programmmodi: ich habe mir inzwischen bei C2-Vögel im Flug zusätzlich noch die Einstellung gewählt, dass der AF erst gar nicht näher als 10 Meter versucht scharf zu stellen. Denn wenn man gegen den Himmel fotet und das Obi auf Nah steht, sieht man den Vogel erst mal gar nicht. Selbst solche tief im Menü versteckte Einstellungen lassen sich also speziell und nur für bestimmte User-Modi programmieren.
    • Die angeblich so schwachen Akkus der Spiegellosen: Ich habe an einem der letzten Wochenenden mit einem Akku, der war dann am Schluss auf ca. 30%, knapp 4.000 Aufnahmen gemacht. Alle mit dem 300er Tele, viele Serienbilder, einige Male Pro-Capture. Den zweiten Akku im Gehäuse (der erste ist im BG) habe ich bisher noch nie als Ersatz gebraucht.